Besuch 2007 in Saarlouis
E-Mail

Polen – in den Köpfen so fern – und doch ganz nah!

Feuerwehrkameraden aus dem Landkreis Bochnia waren zu Gast bei Feuerwehrkameraden im Landkreis Saarlouis.

Dem Kreisfeuerwehrverband Saarlouis sei Dank gesagt! Er hat den Geldbeutel geöffnet und einen Besuch ermöglicht, wie es ihn so im Landkreis noch nicht gab.

Feuerwehrleute aus dem polnischen Partnerschaftslandkreis Bochnia haben eine Woche lang unseren Landkreis besucht und unsere Feuerwehren kennengelernt. Das Besondere daran: Sie sahen sich nicht nur in Saarlouis um, sondern fuhren auch über die Grenze nach Luxemburg und Frankreich. Also ein europäisches Unternehmen im Umkreis des bedeutenden Dörfchens Schengen in Luxemburg. Schengen – das meint heute Europa, das auf dem Schengener Abkommen beruht.

Wie kam das zustande? Im vergangenen Jahr waren Wehrführer Reiner Quirin (Saarlouis), Wehrführer Bernd PAUL und Rainer Gerstner (beide Saarwellingen), der frühere Kreisbrandinspekteur Klaus Kuhn sowie Guido Hübschen, stellvertretender Wehrführer in Wadgassen, beim Partnerschaftslandkreis Bochnia in Polen zu Gast. Nun stand der lange erwartete Gegenbesuch an. Der fünfköpfigen Delegation aus dem fernen und doch so nahen Polen gehörten Wehrführer Christoph Kokoschka mit drei Feuerwehrkameraden aus Bochnia an, der Bürgermeister der Stadt Zegocina (übrigens auch aktiver Feuerwehrmann!) und eine Dolmetscherin an. Sie erlebten Europa auf engstem Raum.

„Der Zweck war, die Freundschaft weiter zu vertiefen und die unterschiedlichen Feuerwehrsysteme kennenzulernen“, erklärt Wehrführer PAUL. In Polen gebe es ausschließlich Berufsfeuerwehren, in Deutschland ist das erst ab 100.000 Einwohnern der Fall. Von der Fläche her seien beide Landkreise aber durchaus vergleichbar. In Lothringen besichtigte die Delegation die Feuerwehr in Creutzwald. „In Frankreich unterhalten die Départements eine Berufsfeuerwehr, zusätzlich gibt es freiwillige Kräfte, die ein Entgeld bekommen.“ Nach Ansicht PAULS könnte dieses französische System ein Muster für die Feuerwehr in Polen und in Deutschland sein. Die länderübergreifende Begegnung diente den Beteiligten dazu, beim Nachdenken über die eigene Feuerwehrarbeit neue Aspekte aufzunehmen. Und dabei wurde auch darüber gesprochen, dass den polnischen Kameraden gebrauchte Einsatzfahrzeuge und Gerätschaften zum Kauf angeboten werden.

Bei diesem Besuch wurden bereits Rettungsscheren an eine der kleinen Feuerwehrstationen im Landkreis Bochnia veräußert. Die Gäste waren besonders vom unproblematischen Grenzübergang nach Frankreich beeindruckt, berichtet PAUL. „Als wir ihnen in Leidingen nach dem Feuerwehrgerätehaus noch die deutsch-französische Neutrale Straße gezeigt haben, konnten sie es gar nicht glauben, dass dies eine Staatsgrenze ist.“ Auf dem Besuchsprogramm standen außerdem Empfänge im Landratsamt und beim Saarlouiser Oberbürgermeister, eine Visite bei der Werkfeuerwehr der Ford-Werke AG in Saarlouis, bei der Grubenwehr in Ensdorf, der Berufsfeuerwehr in Saarbrücken und an der Landesfeuerwehrschule.  Feuerwehr ohne Grenzen – ein Beispiel, das Schule machen sollte.

Dr. Hell

Brandinspekteur Landkreis Saarlouis


Bericht Saarbrücker Zeitung

Bilder